Wasserknappheit in Deutschland
Wird Deutschland wegen Wasserknappheit in Zukunft zum Wüstenstaat, wie es in einer Dokumentation heisst? Haben wir bald nicht mehr genug Wasser für Industrie, Landwirtschaft und Bevölkerung?
Viele Menschen glauben, dass in unserer Region genug Wasser vorhanden ist und Wassersparen deshalb unnötig wäre. Doch auch bei uns haben Regionen nach längeren Trockenperioden mit Wasserknappheit zu kämpfen.
Der Klimawandel verändert die Niederschlagsverteilung und kann Trockenperioden und deren Auswirkungen verstärken.
So berichtete die Sächsische Zeitung bereits im Mai 2014 von einer Verknappung des Wassers in Sachsen. Und im trockenen Sommer 2015 war im nördlichen Bayern zeitweise sogar das Autowaschen mit Trinkwasser untersagt, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete.
Die gute Nachricht: Deutschland verfügt insgesamt über beträchtliche Wasserressourcen. Laut Umweltbundesamt beträgt das langjährige mittlere Wasserdargebot im Zeitraum 1991 bis 2020 rund 176 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Darunter versteht man die Menge an Grund- und Oberflächenwasser, die theoretisch zur Verfügung steht.
Im Jahr 2022 wurden davon rund 10,1 % genutzt. Als Orientierung für Wasserstress gilt eine Nutzung von mehr als 20 % des verfügbaren Wasserdargebots. Bundesweit besteht derzeit also kein flächendeckender Wasserstress. Entscheidend ist jedoch, wie viel Wasser regional und zu bestimmten Jahreszeiten tatsächlich zur Verfügung steht.
Quelle: Umweltbundesamt
Die schlechte Nachricht: Die Daten der GRACE-Satellitenmissionen, ausgewertet unter anderem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Umweltbundesamt, zeigen, dass Deutschland seit der Jahrtausendwende jährlich rund 2,5 Kubikkilometer terrestrisch gespeichertes Wasser verliert. Dazu zählen nicht nur Grundwasser, sondern auch Bodenwasser, Seen, Flüsse und weitere Wasserspeicher. Auf etwa 20 Jahre hochgerechnet entspricht die verlorene Wassermenge ungefähr dem Volumen des Bodensees.
Quelle: Umweltbundesamt – GRACE-Satellitendaten
Wasserknappheit mit regionalen Unterschieden
Die Wasserverteilung in Deutschland unterlag schon immer regionalen Unterschieden. Das liegt unter anderem an den geografischen Gegebenheiten und den unterschiedlichen Niederschlagsmengen.
Im Alpenraum und im Schwarzwald fallen häufig grössere Niederschlagsmengen als in vielen Regionen Nordostdeutschlands. Trotzdem bedeutet das nicht, dass Wasserknappheit in Bayern oder Baden-Württemberg grundsätzlich auszuschliessen ist.
Auch dort können längere Trockenperioden und ein hoher Wasserbedarf zu regionalen Engpässen führen.
Im Nordosten Deutschlands sind geringere Niederschlagsmengen schon lange ein Thema. Besonders die zentralen Teile Ostdeutschlands, das nordostdeutsche Tiefland und das südostdeutsche Becken weisen teilweise eine ungünstige Wasserbilanz auf. Dort regnet es vergleichsweise wenig, während aufgrund hoher Sommertemperaturen viel Wasser verdunstet.
Der Spitzname „Streusandbüchse“ für Brandenburg ist seit Langem bekannt und wird vor allem mit den dort verbreiteten sandigen Böden in Verbindung gebracht. Diese Böden können Wasser oft nur begrenzt speichern.
Wie stark die Kommunen betroffen sein können, zeigte eine Umfrage von KOMMUNAL und dem ARD-Politikmagazin Report München aus dem Jahr 2022. Im Osten Deutschlands berichteten damals 67 % der befragten Kommunen von Wasserknappheit während des heissen Sommers. 24 % der Kommunen hatten beispielsweise die Bewässerung privater Gärten oder die Befüllung privater Pools eingeschränkt oder ähnliche Vorgaben erlassen. Diese Zahlen beziehen sich ausdrücklich auf die damalige Umfrage und sind keine aktuelle Bestandsaufnahme.
Zur Umfrage bei KOMMUNAL
Doch auch in anderen Regionen Deutschlands können niedrige Wasserstände in Flüssen und sinkende Grundwasserstände zum Problem werden. Die sommerlichen Niedrigwasserstände an Rhein, Mosel und Saar zeigen, dass auch westliche und südwestliche Regionen von Trockenperioden betroffen sein können. Welche Regionen künftig besonders gefährdet sind, hängt unter anderem von Niederschlägen, Böden, Grundwasserneubildung und dem örtlichen Wasserbedarf ab.
Wasserknappheit und Lösungen: Wie können wir in Zukunft unsere Wasservorräte schonen?
Wasser ist eine wertvolle Ressource und unser wichtigstes Lebensmittel – klar, dass Wassersparen deshalb ein wichtiges Thema ist. Der direkte Trinkwasserverbrauch in Deutschland ist seit 1991 deutlich zurückgegangen: von 144 Litern pro Person und Tag auf 126 Liter im Jahr 2022. Dazu tragen effizientere Haushaltsgeräte und ein bewussterer Umgang mit Wasser bei.
Auch Industrie und Energiesektor konnten ihre Wasserentnahmen reduzieren. Durch Veränderungen in der Stromerzeugung, darunter die Stilllegung der letzten Kernkraftwerke im Jahr 2023 und der weitere Rückgang der Kohleverstromung, können die Kühlwasserentnahmen von Kraftwerken langfristig weiter sinken. Wie sich der Wasserbedarf insgesamt entwickelt, hängt jedoch auch von anderen Bereichen ab.
Die Landwirtschaft wird sich angesichts veränderter Niederschlagsmengen und zunehmender Trockenperioden ebenfalls anpassen müssen. Dazu gehören eine effizientere Bewässerung und der Schutz der Böden. Gleichzeitig bleibt auch die Wasserqualität wichtig: So belastet beispielsweise Nitrat aus landwirtschaftlichen Düngemitteln vielerorts das Grundwasser.
Die UNESCO beschäftigt sich in ihren Weltwasserberichten mit nachhaltigem Wassermanagement und naturbasierten Lösungen. Dazu gehören unter anderem:
- Wälder aufforsten und bestehende Wälder erhalten
- Feuchtgebiete wie Moore wiederherstellen
- Abwässer besser reinigen und Wasser wiederverwenden
- Felder bedarfsgerecht und nachhaltig bewässern
- Nachhaltige Wasserprojekte fördern
- Mehr Grünflächen und Zisternen in Städten schaffen, um Regenwasser zurückzuhalten und zu nutzen („Schwammstadt“)
- Dächer begrünen, um das Stadtklima zu verbessern und Regenwasser zurückzuhalten
Wie kann ich selbst gegen Wasserknappheit vorgehen – in Berlin, München, Frankfurt, Hamburg, Köln & Co.?
Alle können durch einen bewussten Umgang mit Wasser dazu beitragen, die Wasserressourcen zu schonen. Dazu haben wir in der Wasserspar-Welt des kloundco.de Badshops hilfreiche Tipps und technische Lösungen zusammengetragen, wie Sie im Haushalt Wasser sparen können:
- Im Beitrag über wassersparendes Duschen erklären wir, wie Sie mit einer angepassten Duschdauer und einem Sparduschkopf den Wasserverbrauch reduzieren und dadurch auch Energie sparen können.
- Die Toilettenspülung muss nicht zwingend mit Trinkwasser betrieben werden. Bei geeigneter Installation kann auch aufbereitetes Grauwasser oder Regenwasser verwendet werden. Aber auch mit einem Durchflussbegrenzer oder einer Stopptaste können Sie Wasser in der Toilette sparen.
- Wassersparen in der Küche können Sie sowohl mit effizienten Spülmaschinen als auch durch einen bewussten Umgang mit der Küchenarmatur und wasserbewusste Kochtechniken.
- Wassersparen im Garten ist beispielsweise mit Regenwasserzisternen und einer geeigneten Wiederverwendung von aufbereitetem Haushaltswasser möglich.
Mit einem bewussteren Umgang und mit Hilfe geeigneter Technik können wir unseren Wasserverbrauch reduzieren und unseren Wasserfussabdruck beeinflussen, ohne auf gewohnten Komfort verzichten zu müssen. Gleichzeitig können viele Sparmassnahmen den Geldbeutel schonen. Gerade in Regionen mit zeitweise knappem Wasserdargebot ist es sinnvoll, Wasser nicht unnötig zu verbrauchen.